Frankfurter Schule des Älterwerdens :

 

Frankfurter Schule 

          des Älterwerdens

Der Wandel des Alterns hat eine ‚neue’ Lebensphase hervorgebracht. Die Menschen zwischen 60 – 80 Jahren wollen sich nach ihrem Erwerbsleben nicht nur dem wohlverdienten Ruhestand hingeben.

  1. Sozialer Statuswechsel

Viele Menschen erleben mit dem Ende ihres Erwerbslebens eine Sinnkrise und damit eine Identitätskrise. Die Veränderungen in der Arbeitswelt der letzten 20-30 Jahre, wie z.B.

  • Refeudalisierung der Ökonomie
  • Erosion der Leistungsethik
  • Verwilderung der Anerkennungsstandards

sind nicht hilfreich für notwendige gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung.

  1. Herausforderung und Chance

          Die persönliche und gesellschaftliche Bewältigung dieser Krise erfordert vergangenheitsentlastende und zukunftsgestaltende Bildung jenseits des Mythos Erwerbsarbeit, wie z.B.

  • Selbstermächtigung (persönliche Autonomie wieder entdecken und verteidigen)
  • Gemeinwohlbindung als Bestandteil der Lebenspraxis
  • Muße als Erfolgsressource

  1. Frankfurter Schule des Älterwerdens

(Sachen klären, Menschen stärken und Übergänge gestalten)

Eine sinnerfüllte Lebensführung in der Zeit nach der Erwerbsarbeit erfordert nicht nur eine „Altersfreundliche Kultur“ (A. Kruse), sondern hat auch individuelle Pflichten. Deshalb ist eine „Frankfurter Schule des Älterwerdens“ notwendig, um älteren Menschen Bildungsangebote zu machen,

wie z.B. für

  • Leitbilder guten Lebens im Alter
  • Vielfalt und Fremdheit zu gestalten (Ethik des Unerwarteten)
  • Umgang mit der Endlichkeit (Diesseits- und Jenseitsmythen)
 

 

 

Die seniorenfreundliche Stadt                  
Wir wollen mitverantwortliches Leben im Alter. Die bisher ausgeprägte fürsorgliche Sicht auf das Alter werden wir durch eine Sicht ergänzen, die sich an den Stärken und dem Gestaltungs-                 willen der älteren Menschen orientiert.
Mit der partizipativen Altersplanung haben wir ein zukunftsweisendes Projekt gestartet, das weit über die Grenzen Frankfurts hinaus beachtet wird. Wir werden diese Planung fortschreiben und durch wei-tere Projekte der politischen und zivilgesellschaft-lichen Teilhabe weiterentwickeln.                               
Beseitigung sozialer Ungleichheit im Alter, altersgerechte Wohnungen, gute medizinische und pflegerische Betreuung, soziale Netzwerke gegen Vereinsamung und geeignete öffentliche Verkehrs-mittel schaffen hierfür die Voraussetzungen.
In Frankfurt, einer internationalen Stadt, setzen wir uns für alle FrankfurterInnen ein.

(Weitere Details unter Downloads/Allgemein/Älter werden in Frankfurt))

 

 

GUT LEBEN IM ALTER – HEUTE UND MORGEN
SPD-AG60plus-Positionen für eine nachhaltige Altenpolitik In Frankfurt/Main

ALT WERDEN IM 21. JAHRHUNDERT
Gesund, neugierig und ohne finanzielle Not – so wünscht sich die Mehrheit der Menschen in Deutschland ihr Leben im Alter. Die Vorstellung, wie „Gutes Leben im Alter“ aussieht ist unterschiedlich. Für viele ist es aber vor allem wichtig, bis ins hohe Alter teilzuhaben, sich einmischen zu können und ihr soziales Netz aus Freunden und Familie zu erhalten. Damit dies gelingt, muss Politik den Rahmen schaffen, dass Frauen und Männer mitverantwortlich auch im Alter gut leben können, was nicht nur physisches Wohlergehen bedeutet.
SPD-AG60PLUS FÜR EIN GUTES LEBEN IM ALTER
AG60plus setzt sich dafür ein, dass aktive Teilhabe an der Gestaltung des eigenen Lebens und des sozialen Umfelds möglich ist.1 Dies bedeutet, dass Handlungsperspektiven nicht einseitig an Verfall und Hilflosigkeit orientiert sind.
Unser Konzept „Gut leben im Alter“ verschränkt vier Lebensbereiche, die nur gemeinsam hohe Lebensqualität im Alter gewährleisten.
1. Nach-Erwerbszeit bewältigen
2. Gesundheit bewahren und wiederherstellen
3. Altersgemäß und selbstbestimmt wohnen mit Quartiersmanagement
4. Ohne finanzielle Not alt werden
NACH-ERWERBSZEIT BEWÄLTIGEN
Der soziale Statuswechsel beim Ende der Erwerbsarbeit stellt die biografisch erworbene Identität als handlungsleitende und orientierende Sinnstruktur in Frage. Die Bewältigung dieser Krisensituation erfordert zum einen die Eigen- und Mitverantwortung der älteren Menschen für ihr Alt werden, und zum anderen Motivations-, Orientierungs- und tätigkeitsbereichsbezogene Qualifizierungsangebote öffentlicher Bildungsträger.2
Wir bieten eine „Frankfurter Schule des Alterns“ an. Dabei geht es weniger um Wissenserwerb als vielmehr um die gelingende Bewältigung der im Alter nötigen Anpassungsprozesse, um Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Bildung im und für das Alter ist unverzichtbar für eine Gesellschaft des langen Lebens, für mehr Lebensqualität im Alter und für positive Altersbilder über Generationengrenzen hinweg.
Besondere Beachtung gilt der rasant Raum ergreifenden Digitalisierung aller Lebensbereiche. Verstärkte Investitionen sollen älteren Menschen Erfahrung und Selbstvertrauen im Umgang mit der Digitalisierung ermöglichen.
GESUNDHEIT BEWAHREN UND WIEDERHERSTELLEN
Die steigende Lebenserwartung wird mit der Hoffnung verbunden, auch im Alter und im hohen Alter möglichst gesund, aktiv und selbstständig leben zu können. Deshalb ist die Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit eine wichtige Voraussetzung für gutes Leben im Alter. Kommunen spielen eine Schlüsselrolle, um Menschen ein lebenswertes, gesundes Umfeld zu bieten.
Die gesundheitliche und pflegerische Versorgung vor Ort umfasst mehr an Beratung und Koordinierung als bisher vom Pflegestützpunkt geleistet werden kann. Die Wiederbelebung der eingestellten „Vermittlungs- und Beratungsstellen der Wohlfahrtverbände“ ist zu überprüfen, um alle Hilfe- und Pflegeangebote vor Ort zu vernetzen.
In diesem Zusammenhang spielen pflegende Angehörige eine ganz tragende Rolle. Der Wunsch, für nahe Menschen da zu sein, ihre Betreuung und Pflege selbst zu übernehmen, wird oft erst möglich, wenn Pflege und Beruf besser vereinbar sind.
Die Finanzierung einer guten gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung wird für eine alternde Gesellschaft an Bedeutung zunehmen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich nach ihren finanziellen Möglichkeiten an der Finanzierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beteiligen (Bürgerversicherung).
ALTERSGEMÄSS UND SELBSTBESTIMMT WOHNEN MIT QUARTIERSMANAGEMENT
Altersgerecht zu Wohnen ist nach dem Wegfall des Arbeitsplatzes am Ende des Erwerbslebens von besonderer Bedeutung. Die Wohnung wird zum Ausgangspunkt für Aktivitäten und muss der neuen Lebensform
angepasst werden: dazu gehört die Alten-WG genauso wie das
Mehrgenerationenhaus. Mit Freunden oder Bekannten zusammen zu wohnen, kann im Alter vor Vereinzelung und Vereinsamung schützen. Zumal wenn die eigenen Kinder weit entfernt in einer anderen Stadt leben. Deshalb sollen Wohnungsbaugesellschaften, wie z.B. das „Bielefelder Modell (Kernpunkte: Selbstbestimmung, Nachbarschaft und Unterstützung)“ und genossenschaftliche und gemeinschaftliche Wohnformen stärker gefördert werden.
Besonders für Menschen mit Beeinträchtigungen ist es wichtig, in ihrer Lebenswelt keine Barrieren überwinden zu müssen. Daher muss das Angebot der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) „Altersgerecht Umbauen“ deutlich ausgebaut und vereinfacht werden.
Auch soll das Programm „Soziale Stadt“ und die darin vorgesehenen Mittel für Nachbarschafts- und gemeinschaftsfördernde Projekte gestärkt werden.
OHNE FINANZIELLE NOT ALT WERDEN
Die Rente muss ein Altwerden in Würde garantieren. Solidarität in der Alterssicherung bedeutet, dass alle Menschen im Alter eine angemessene, am erreichten Lebensstandard orientierte, Absicherung erhalten und dass Armut im Alter vermieden wird. Solidarität bedeutet auch, dass sich alle an der Finanzierung beteiligen (Erwerbstätigenver-sicherung). Die Rente ist ein Spiegelbild des Erwerbslebens. Deshalb sind die Vorhaben, den Mindestlohn auf 12 Euro zu erhöhen, die Flucht von Unternehmen aus Tarifverträgen zu stoppen und das Rentenniveau auf mindestens 48 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zu erhöhen, erste zielführende Maßnahmen. Mit der Grundrente ist ein guter Anfang gemacht.

FAZIT:
ALTENFREUNDLICHE KULTUR FÜR „GUT LEBEN IM ALTER“

Eine altenfreundliche Kultur, in der ältere Menschen ihre Ressourcen ebenso wie ihre Werte, Bedürfnisse und Interessen in gleicher Weise einbringen können wie jüngere Menschen, hat sich in unserem Land noch nicht wirklich ausgebildet. Wir müssen das Alter aus seinem „Ghetto“ wieder in die Mitte der Gesellschaft holen.
Zukunft wird jetzt gemacht. Wie wir morgen leben, entscheidet sich hier und jetzt.

1 Gabriella Zanier, Einsatzpotentiale und Partizipation älterer Bürgerinnen und Bürger in der Stadt Frankfurt am Main, in: Partizipative Altersplanung, Der Dezernent für Soziales und Jugend, 2006

2 Für eine Akademie des Alterns in Frankfurt/Main, Eike Henning, Vortrag 27. Juni 2017

 

 

 
 
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